Chewing-Dumm

Cool gekaut? Uncool entsorgt.

Frage | Miksch
Antwort | Miksch

Hintergrund:

Die auf diesem Plakat  getroffenen Aussagen verdeutlichen zwei oft unterschätzte Probleme von weggeworfenen Kaugummis: Eine akute, tödliche Gefahr für Haustiere sowie eine enorme Belastung für die Umwelt.

Hier sind die detaillierten wissenschaftlichen und praktischen Hintergrundinformationen zu den Aussagen:

1. „Kaugummi enthält oft Birkenzucker (Xylit) als Süßstoff, der für Hunde höchst giftig ist. Hunde verwechseln Kaugummi mit einer Süßigkeit, fressen es und sterben daran.“

  • Die biochemische Ursache: Während der Zuckerersatzstoff Xylit (auch als Xylitol oder E 967 bekannt) für Menschen völlig harmlos ist, führt er bei Hunden zu einer massiven, lebensbedrohlichen Fehlschaltung des Körpers. Die Bauchspeicheldrüse des Hundes verwechselt Xylit mit echtem Zucker und schüttet schlagartig das Sechsfache an Insulin aus. [1, 2]
  • Der Insulin-Schock: Dies führt innerhalb von nur 10 bis 30 Minuten zu einem rapide abfallenden Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie). Ohne sofortige tierärztliche Hilfe (Glukose-Infusionen) fallen die Tiere in ein Koma, erleiden Krampfanfälle und sterben. [1, 2, 3]
  • Geringe Dosis – Große Wirkung: Bereits eine minimale Menge von 0,1 Gramm Xylit pro Kilogramm Körpergewicht des Hundes reicht für eine schwere Vergiftung aus. Bei einem kleineren Hund können daher schon ein bis zwei zuckerfreie Kaugummistreifen zum akuten, tödlichen Leberversagen führen. Da Kaugummis durch Aromastoffe wie Minze oder Erdbeere für Hunde attraktiv riechen, nehmen sie diese unbedacht vom Boden auf. [1, 2]

2. „Ekelige Masse an den Schuhen und unter Tischen und Bänken nervt gewaltig.“

  • Die Plastik-Kaumasse: Moderne Kaugummis bestehen schon lange nicht mehr aus natürlichem Baumharz (Chicle), sondern im Wesentlichen aus synthetischen Polymeren (Kunststoffen), die auf der Basis von Erdöl hergestellt werden. Ein Kaugummi ist im Grunde ein weiches Stück Plastik. [1, 2]
  • Keine biologische Abbaubarkeit: Weil es sich um petrochemischen Kunststoff handelt, verrottet ein ausgespuckter Kaugummi in der Natur nicht. Es dauert bis zu 5 Jahre, bis sich die zähe Masse durch mechanische Umwelteinflüsse mühsam zersetzt – wobei sie am Ende als unsichtbares Mikroplastik in den Böden und Gewässern verbleibt. [1, 2, 3]
  • Gefahr für Vögel: Neben der optischen Verschmutzung und dem Festkleben an Schuhen stellt die Masse auch für Wildtiere ein Problem dar. Vögel verwechseln die bunten oder hellen Kaugummis mit Brotstücken. Wenn sie diese fressen, verkleben Kaugummis den Schnabel oder verstopfen den Magen-Darm-Trakt, was für die Tiere oft das Todesurteil bedeutet. [1]

3. „Deine Hood ist kein Ekel-Archiv. Kaugummi gehört in die Restmülltonne.“

  • Enorme Reinigungskosten: Das Entfernen festgetretener Kaugummis von Asphalt und Pflastersteinen ist für Städte und Gemeinden extrem teuer. Es erfordert spezielle Reinigungsmaschinen, die die Reste mit Hochdruck und heißem Wasserdampf (oft über 100 °C) vom Boden brennen müssen. Die Beseitigung eines einzigen Kaugummis kostet Kommunen im Schnitt zwischen 1 und 2 Euro.
  • Der richtige Entsorgungsweg: Ausgespuckte Kaugummis gehören weder auf den Gehweg noch in die Biotonne oder den Gelben Sack. Der einzige korrekte Ort ist die Restmülltonne (am besten kurz in ein altes Stück Papier oder Taschentuch gewickelt). In der anschließenden Müllverbrennung wird der enthaltene Kunststoff vollständig zerstört, ohne giftige Rückstände in der Natur zu hinterlassen. [1]